Obst & Beeren

Obstbäume pflanzen und schneiden

5 Min. Lesezeit

Hände in Gartenhandschuhen verteilen Kompost auf der Baumscheibe eines jungen Apfelbaums mit roten Früchten in einem norddeutschen Garten

Obstbäume pflanzen im Herbst, mit Pfahl und Pflanzschnitt: So wachsen Apfel, Birne und Kirsche gut an und tragen über viele Jahre.

Ein Obstbaum steht oft Jahrzehnte am selben Platz. Die Wahl der passenden Wuchsform, eine sorgfältige Pflanzung und ein durchdachter Schnitt in den ersten Jahren entscheiden über Gesundheit und Ertrag.

Unterlage und Wuchsform: welcher Baum passt in den Garten?

Obstbäume werden fast immer veredelt. Die Sorte bestimmt Geschmack und Aussehen der Früchte, die Unterlage, also der Wurzelteil, bestimmt die Wuchsstärke. Auf einer schwach wachsenden Unterlage bleibt ein Apfelbaum klein, trägt früh und braucht dauerhaft einen Pfahl. Auf einer stark wachsenden Unterlage wird er groß, langlebig und standfest, trägt aber erst nach einigen Jahren.

  • Spindel und Säule: schwach wachsend, ideal für kleine Gärten und Spaliere, Pfahl auf Dauer.
  • Buschbaum: mittelstark, Stammhöhe etwa 40 bis 60 cm, gut zu ernten und zu schneiden.
  • Halb- und Hochstamm: starkwüchsig, für große Gärten und Streuobstwiesen, bietet Schatten und Lebensraum.

Viele Apfel-, Birnen- und Süßkirschsorten brauchen eine zweite, passende Sorte in der Nähe, die gleichzeitig blüht. In Wohngebieten stehen oft genug Bäume in den Nachbargärten. Bei der Sortenwahl lohnt sich die Frage nach einem geeigneten Befruchter trotzdem. Für sehr kleine Flächen und Terrassen gibt der Ratgeber Obst im Kübel Anregungen.

Obstbäume pflanzen: Schritt für Schritt

Hände in Gartenhandschuhen binden einen frisch gepflanzten jungen Apfelbaum mit einem Kokosstrick an einen Holzpfahl

Die beste Pflanzzeit ist der Herbst von Oktober bis November, sobald die Blätter gefallen sind. Der Boden ist dann noch warm, die Wurzeln wachsen bis zum Frühjahr an. Wurzelnackte Bäume sind nur in der laublosen Zeit erhältlich, Containerware kann bei frostfreiem Boden fast das ganze Jahr gepflanzt werden.

  1. Wässern: Wurzelnackte Bäume einige Stunden, am besten über Nacht, in einen Eimer Wasser stellen.
  2. Pflanzloch graben: Etwa 60 × 60 cm breit und 50 cm tief ausheben, die Sohle mit der Grabegabel lockern. Wühlmäuse lassen sich mit einem Drahtkorb im Pflanzloch fernhalten.
  3. Pfahl setzen: Den Pfahl vor dem Baum einschlagen, auf der Seite der Hauptwindrichtung, in Norddeutschland meist im Westen. Abstand zum Stamm etwa 10 cm. Das Pfahlende reicht später bis knapp unter die Krone.
  4. Wurzeln anschneiden: Beschädigte und geknickte Wurzeln glatt abschneiden, lange Wurzeln leicht einkürzen.
  5. Erde mischen: Den Aushub etwa im Verhältnis 1:1 mit Wilsaflor® Pflanzerde mischen. Die Erde ist für 3 bis 6 Monate vorgedüngt und enthält 30 % Grünschnitt-Kompost.
  6. Richtige Höhe: Den Baum so einsetzen, dass die Veredlungsstelle, die Verdickung am unteren Stamm, etwa eine Handbreit über der Erde liegt. Liegt sie im Boden, bildet die Sorte eigene Wurzeln und die Wirkung der Unterlage geht verloren.
  7. Einfüllen und angießen: Die Erde einfüllen, den Baum dabei leicht rütteln, damit sich die Hohlräume zwischen den Wurzeln füllen. Antreten, einen Gießrand formen und kräftig wässern.
  8. Anbinden: Den Stamm mit einem Kokosstrick in Form einer Acht locker an den Pfahl binden, damit die Rinde nicht scheuert.

Rechenbeispiel: Ein Pflanzloch mit 60 × 60 × 50 cm fasst 0,6 × 0,6 × 0,5 = 0,18 m³, also 180 Liter. Bei einer Mischung 1:1 werden rund 90 Liter Pflanzerde gebraucht, etwa ein 60- und ein 40-Liter-Sack.

Die Pflanztechnik ähnelt der von Ziersträuchern, die im Ratgeber Sträucher, Stauden und Hecken richtig pflanzen beschrieben ist.

Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt und Erhaltungsschnitt

Beim Pflanzen gehen immer Wurzeln verloren. Der Pflanzschnitt stellt das Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone wieder her. Bei Herbstpflanzung erfolgt er im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb. Einen kräftigen Mitteltrieb und drei bis vier gleichmäßig verteilte Seitenäste als Leitäste auswählen, alle übrigen Triebe entfernen. Die Leitäste um etwa ein Drittel auf ein nach außen zeigendes Auge kürzen, und zwar so, dass ihre Spitzen etwa auf gleicher Höhe liegen. Der Mitteltrieb bleibt eine Handbreit länger.

In den folgenden drei bis fünf Jahren baut der Erziehungsschnitt die Krone auf. Steil nach oben wachsende Konkurrenztriebe zum Mitteltrieb werden entfernt, die Leitäste jedes Jahr leicht eingekürzt. Flach wachsende Seitentriebe bleiben stehen, denn an ihnen bildet sich das Fruchtholz.

Sobald der Baum trägt, folgt der Erhaltungsschnitt. Ziel ist eine lichte Krone, in die Sonne und Luft gelangen. Nach innen wachsende, sich kreuzende und kranke Äste entfernen, ebenso die senkrechten Wassertriebe. Abgetragenes, hängendes Fruchtholz auf einen jüngeren Seitentrieb ableiten.

Winterschnitt oder Sommerschnitt?

Merkmal Winterschnitt Sommerschnitt
Zeitpunkt Februar bis März, an frostfreien Tagen Juni bis August, bei Süßkirschen direkt nach der Ernte
Wirkung fördert einen kräftigen Austrieb bremst das Wachstum, Wunden schließen sich schneller
Geeignet für Kernobst wie Apfel und Birne, junge und schwach wachsende Bäume Steinobst wie Kirsche und Pflaume, stark wachsende Bäume
Typische Arbeit Krone aufbauen, auslichten, Fruchtholz verjüngen Wassertriebe entfernen, zu dichte Bereiche öffnen

Grundsätzlich gilt: Je stärker im Winter geschnitten wird, desto stärker treibt der Baum im Frühjahr aus. Bei sehr wüchsigen Bäumen deshalb lieber maßvoll im Winter schneiden und im Sommer nacharbeiten. Vor jedem Sommerschnitt die Krone auf brütende Vögel kontrollieren.

Tipp: Immer auf Astring schneiden, also direkt an der leichten Verdickung am Ansatz des Astes, ohne einen Stummel stehen zu lassen. So kann die Wunde gut überwallen.

Düngen und Baumscheibe pflegen

Junge Obstbäume reagieren empfindlich auf Konkurrenz durch Rasen und Wildkraut. Um den Stamm deshalb eine Baumscheibe von etwa 1 m Durchmesser offen halten. Im Herbst oder Frühjahr 2 bis 4 cm Wilsaflor® Gärtnerkompost aufbringen und flach einarbeiten, jedoch nicht bei Frost. Der Kompost fördert das Bodenleben und hält Feuchtigkeit.

Ab dem zweiten Standjahr unterstützt der Wilsaflor® Frühjahrsdünger Nr. 1 den Austrieb. Der organisch-mineralische NPK-Dünger 5+3+5 mit Kalk wird von März bis Ende Mai mit etwa 100 g/m² gestreut, oberflächlich eingearbeitet und feucht gehalten. Eine Baumscheibe mit 1 m Durchmesser hat 3,14 × 0,5 × 0,5 = 0,79 m² und braucht damit knapp 80 g. Bei älteren Bäumen den Dünger auf der ganzen Fläche unter der Krone verteilen, denn dort liegen die feinen Saugwurzeln.

In trockenen Sommern brauchen frisch gepflanzte Bäume regelmäßig Wasser, am besten einmal pro Woche durchdringend. Beerensträucher ergänzen den Obstgarten gut, etwa als Reihe am Rand, mehr dazu im Ratgeber Beerensträucher pflanzen.

Fazit

Wuchsform passend zum Garten wählen, im Herbst mit Pfahl pflanzen und in den ersten Jahren konsequent erziehen: Dann tragen Obstbäume lange und zuverlässig. Für einen guten Start sorgt die Wilsaflor® Pflanzerde im Pflanzloch, Kompost und Frühjahrsdünger halten die Baumscheibe danach fruchtbar.

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Häufige Fragen

Wie lange braucht ein Obstbaum einen Pfahl?

Auf stark wachsender Unterlage meist drei bis vier Jahre, bis der Stamm allein standfest ist. Bäume auf schwach wachsender Unterlage haben ein flaches Wurzelwerk und brauchen ihre Stütze dauerhaft.

Können Obstbäume auch im Frühjahr gepflanzt werden?

Ja, bis etwa April ist das möglich, solange der Boden frostfrei ist. Frühjahrspflanzungen müssen im ersten Sommer aber deutlich häufiger gegossen werden als Bäume, die im Herbst gesetzt wurden.

Warum trägt ein junger Apfelbaum noch nicht?

Je nach Unterlage dauert es einige Jahre, bis sich Fruchtholz bildet. Zu starker Winterschnitt verzögert den Ertrag zusätzlich, weil der Baum dann vor allem neue Triebe bildet. Ein fehlender Befruchter in der Nähe kann ebenfalls die Ursache sein.

Welches Werkzeug wird für den Obstbaumschnitt gebraucht?

Für dünne Triebe reicht eine scharfe Gartenschere, für dickere Äste eine Astschere oder eine Baumsäge. Sauber geschliffene Klingen hinterlassen glatte Schnitte, die schneller überwallen.