Orchideen umtopfen und pflegen
Orchideen umtopfen und pflegen: mit luftigem Substrat, durchsichtigem Topf und Tauchbad statt Gießkanne blühen Phalaenopsis und Co. immer wieder.
Die meisten Zimmerorchideen, allen voran die Phalaenopsis, wachsen in der Natur auf Bäumen. Ihre Luftwurzeln brauchen deshalb ein grobes, luftiges Substrat statt normaler Blumenerde.
Warum Orchideen eigenes Substrat brauchen
In ihrer Heimat klammern sich Phalaenopsis, Cattleya oder Dendrobium mit ihren Wurzeln an Baumrinde. Regen fließt über die Wurzeln, danach trocknen sie schnell wieder ab. Die silbrige Schicht um die Wurzeln, das Velamen, saugt Wasser in Sekunden auf und gibt es langsam an die Pflanze weiter.
Normale Blumenerde ist für diese Wurzeln zu dicht. Sie hält das Wasser zu lange, die Wurzeln bekommen keine Luft mehr und faulen. Die Wilsaflor® Orchideenerde hat deshalb eine grobe Struktur. Sie enthält 20 % Seekiefernrinde in 7 bis 15 mm sowie Perlite, dazu Weiß- und Schwarztorf, der Feuchtigkeit gleichmäßig abgibt. Der pH-Wert liegt bei 5,6 bis 5,8, die Vorratsdüngung reicht 6 bis 8 Wochen.
Für Einsteiger eignet sich die Phalaenopsis besonders gut, weil sie Zimmertemperatur verträgt und mehrmals im Jahr blühen kann. Etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen Cattleya, Dendrobium und Oncidium, die eine deutlichere Ruhezeit oder mehr Licht benötigen. Für alle gilt: Das Substrat muss luftig bleiben.
Wann Orchideen umgetopft werden
Orchideen werden alle zwei bis drei Jahre umgetopft, am besten direkt nach der Blüte, wenn neue Wurzeln oder Blätter erscheinen. Anzeichen, dass es früher nötig ist:
- Das Substrat ist zusammengefallen, krümelig oder riecht muffig.
- Wasser läuft nicht mehr durch, sondern staut sich im Topf.
- Viele Wurzeln sind braun und weich statt fest und grün bis silbrig.
- Die Pflanze hebt sich aus dem Topf, weil die Wurzeln keinen Platz mehr haben.
Luftwurzeln, die oben aus dem Topf wachsen, sind dagegen normal und kein Grund zum Umtopfen.
Orchideen umtopfen: Schritt für Schritt
- Vorbereiten: Die Orchidee eine halbe Stunde in lauwarmes Wasser tauchen. Feuchte Wurzeln sind elastischer und brechen weniger.
- Austopfen: Den Kunststofftopf rundherum leicht drücken und die Pflanze herausziehen.
- Altes Substrat entfernen: Das alte Material vollständig aus den Wurzeln lösen, notfalls unter fließendem Wasser.
- Wurzeln schneiden: Hohle, vertrocknete oder matschige Wurzeln mit einer sauberen, scharfen Schere entfernen. Gesunde Wurzeln sind fest und grün bis silbrig.
- Topf wählen: Einen durchsichtigen Kunststofftopf mit Abzugslöchern wählen, nur so groß, dass die Wurzeln hineinpassen. Durch die Wand lässt sich der Zustand der Wurzeln jederzeit prüfen.
- Einsetzen: Die Pflanze in den Topf halten und Orchideenerde locker einrieseln lassen. Durch leichtes Klopfen gegen den Topf verteilt sich das Substrat zwischen den Wurzeln. Nicht festdrücken.
- Ruhen lassen: In den ersten Tagen nicht gießen, nur leicht besprühen. Kleine Verletzungen an den Wurzeln heilen so ab.
Ein 5-Liter-Sack Orchideenerde reicht für mehrere Töpfe in üblicher Größe. Für größere Sammlungen gibt es das Bündel mit zehn Säcken.
Nach dem Umtopfen braucht die Orchidee etwas Ruhe. Sie bleibt einige Wochen an einem hellen Platz ohne direkte Sonne. Neue Wurzelspitzen, die grün glänzend aus dem Substrat wachsen, zeigen, dass sie gut angewachsen ist. Bis dahin sparsam tauchen und nicht düngen.
Gießen, Standort und Düngen
| Thema | So gelingt es |
|---|---|
| Gießen | einmal pro Woche 10 bis 15 Minuten in zimmerwarmes Wasser tauchen, gut abtropfen lassen |
| Wasser | möglichst kalkarm, zum Beispiel abgestandenes Leitungswasser oder Regenwasser |
| Standort | hell, ohne pralle Mittagssonne, etwa an einem Ost- oder Westfenster |
| Temperatur | 18 bis 25 °C, keine Zugluft, nicht direkt über der Heizung |
| Düngen | in der Wachstumsphase sparsam mit speziellem Orchideendünger, nach dem Umtopfen erst nach 6 bis 8 Wochen |
Der häufigste Fehler ist zu viel Wasser. Im Untersetzer oder Übertopf darf nie Wasser stehen bleiben. Ob gegossen werden muss, zeigen die Wurzeln: Silbrige Wurzeln sind trocken, grüne Wurzeln haben noch genug Wasser.
Tipp: Phalaenopsis bilden oft eine neue Blüte am alten Stiel. Dazu den verblühten Stiel über dem zweiten oder dritten Knoten abschneiden. Ein Standort, der nachts einige Grad kühler ist, regt die Blütenbildung zusätzlich an.
Pflege nach der Blüte
Nach der Blüte folgt eine Phase, in der die Orchidee neue Blätter und Wurzeln bildet. Jetzt ist der beste Zeitpunkt zum Umtopfen. Gegossen wird weiter wie gewohnt, gedüngt nur, wenn neue Blätter wachsen. Ist der Blütenstiel vollständig vertrocknet, wird er direkt über dem Blattansatz abgeschnitten. Grüne Stiele können stehen bleiben, an ihnen bilden sich oft neue Knospen oder kleine Ableger, die Kindel.
Luftfeuchtigkeit
Orchideen stammen aus feuchtwarmen Regionen. In beheizten Wohnungen ist die Luft im Winter oft sehr trocken. Eine Schale mit Wasser und Blähton unter dem Topf erhöht die Feuchtigkeit in der direkten Umgebung, ohne dass die Wurzeln im Wasser stehen. Auch das Besprühen der Luftwurzeln am Vormittag hilft. Die Blüten selbst nicht besprühen, sie bekommen sonst Flecken. Küche und helles Bad sind wegen der höheren Luftfeuchtigkeit gute Standorte.
Häufige Fehler vermeiden
- Orchideen nicht in normale Blumenerde oder Zimmerpflanzenerde setzen.
- Kein Wasser in die Blattachseln laufen lassen, dort fault die Pflanze leicht.
- Keine zu großen Töpfe wählen, das Substrat trocknet sonst zu langsam ab.
- Nach dem Kauf nicht sofort umtopfen, sondern die Blüte abwarten.
- Nicht mit kaltem Wasser gießen, die Wurzeln reagieren empfindlich auf Temperaturschocks.
Wie andere Zimmerpflanzen umgetopft werden, erklärt der Ratgeber Zimmerpflanzen umtopfen. Einen Überblick über alle Spezialerden gibt Welche Erde für welche Pflanze?
Bilden sich über längere Zeit keine neuen Blüten, steht die Orchidee meist zu dunkel oder das ganze Jahr zu warm. Ein hellerer Platz und einige Wochen mit kühleren Nächten im Herbst reichen oft aus, damit sich ein neuer Blütenstiel zeigt.
Fazit
Orchideen brauchen Luft an den Wurzeln: grobes Substrat, einen durchsichtigen Topf und Tauchen statt Gießen. Wer alle zwei bis drei Jahre nach der Blüte in frische Wilsaflor® Orchideenerde umtopft, hat lange Freude an gesunden, blühfreudigen Pflanzen.